Ein Fremder in Mamas Bett
Meine Mutter war verreist. Ich sollte nur kurz ihre Pflanzen gießen, die Katze füttern – und mich ausruhen. Doch als ich müde aufs Bett fiel, war es nicht leer. Da lag jemand. Ein Fremder. Und er schnarchte. Als ich schrie, sagte er meinen Namen, als würde er mich schon ewig kennen.

Der Tag war lang gewesen. Im Café traf ich meine Kollegin Bonnie. Sie bestellte Tee – ich verlangte den stärksten Kaffee. Drei Zuckertütchen später fühlte ich mich wieder halb lebendig. Bonnie sprach über Zucker wie über Gift. Ich lachte und sagte: „Meine Mutter sieht das genauso – kein Zucker, keine Falten.“ Wir unterhielten uns, lachten über Ex-Freunde und Sandwiches. Für einen Moment fühlte sich alles leicht an.

Später stießen zwei Männer zu uns. Einer mit Grübchen flirtete sofort. Bonnie blühte auf. Ich versuchte, mich unsichtbar zu machen. Im Bad zischte sie: „Du vermasselst das! Sie sind süß!“ Ich entschuldigte mich: „Ich muss nach Hause. Katze füttern, Pflanzen gießen.“
Als ich später bei Mamas Haus ankam, war alles still. Dunkel. Die Tür klemmte. Innen roch es vertraut – aber etwas war anders. Ich rief nach der Katze. Der Napf war schon voll. Jemand war hier gewesen.

Im Schlafzimmer ließ ich mich aufs Bett fallen – und landete auf etwas Warmem. Ein Mann! Ich schrie, griff zur Lampe. Er blinzelte mich an. „Sadie?“ sagte er leise. Ich wollte schon die Polizei rufen, da zog er einen alten Schlüsselbund aus der Jacke – mit einem Anhänger, den ich kannte.

Später saßen wir in der Küche. Er erzählte: Sein Name sei Dean. Mein Vater. Vor 30 Jahren sei er bei einem Bauunfall schwer verletzt worden, habe sein Gedächtnis verloren. Er lebte als Niemand, irgendwo. Dann, vor einem Monat, sei plötzlich alles zurückgekommen – meine Mutter, mein Name, das Haus. Also kam er zurück.
Ich starrte ihn an. Der Mann, über den meine Mutter nie sprach. Der Geist an jedem leeren Platz am Tisch.

„Warum hast du nie geschrieben?“ fragte ich.
Seine Antwort war einfach: „Ich wusste nicht, dass ich weg war.“
